Warum der dynamische Tarif der erste Schritt in die Flexvermarktung ist, und was du sonst noch brauchst

Yannik Mody 01.08.2026

Der dynamische Tarif holt den größten Teil des Speicherwerts. Für alles darüber hinaus brauchen Industrieunternehmen keinen bestimmten Tarif, sondern einen Partner, der den Bilanzkreis verantwortet.

Im letzten Blog Artikel ging es um das Risiko. Ein Speicher verändert das Lastprofil, und ein Versorger, der das nicht abbilden kann, produziert Ausgleichsenergiekosten, die die wirtschaftliche Grundlage im Betrieb verschlechtern. Die Konsequenz war, einen Versorger zu wählen, der den Speicher versteht.

Dieser Teil dreht die Perspektive um. Angenommen, dieser Partner steht: Wie entsteht mit einem solchen Partner tatsächlich Wert aus dem Speicher, und wie weit lässt sich das ausbauen? Die kurze Antwort: Der größte Hebel liegt im Stromeinkauf. Alles, was darüber hinausgeht, setzt einen sauber geführten Bilanzkreis voraus.

Der größte Hebel, den der dynamische Tarif eröffnet, liegt im Einkauf

Der größte Hebel der Optimierung entsteht nicht beim Verkauf von Strom, sondern beim Einkauf. Den Kern bildet der Day-Ahead-Markt, an dem sich der dynamische Tarif orientiert. Dort wird der Strom für jede Stunde des Folgetags am Vortag gehandelt. Der Speicher lädt in den günstigen Stunden und deckt den Verbrauch in den teuren. Das senkt die eigene Stromrechnung.

Damit dieser Hebel greift, braucht es einen dynamischen Tarif. Nur wenn der Bezugspreis über den Tag schwankt, entsteht die Preisspanne, die der Speicher ausnutzt. Bei einem festen Preis gibt es nichts zu verschieben, das den Einkauf günstiger macht.

Der eigentliche Schlüssel ist der Bilanzkreis

Ein Punkt wird dabei oft übersehen. Für die Flexvermarktung ist der dynamische Tarif nicht die Voraussetzung. Voraussetzung ist jemand, der den Bilanzkreis verantwortet.

Theoretisch funktioniert das sogar mit einem festen Tarif. Ein Versorger, der das Bilanzkreismanagement, die Direktvermarktung der PV-Anlage und die Flexvermarktung übernimmt, kann den Speicher am Markt einsetzen, ohne dass der Bezugstarif dynamisch ist. Am Markt gelten ohnehin Marktpreise, unabhängig davon, wie der Liefervertrag aufgebaut ist.

Nur bleibt in diesem Fall der größte Hebel liegen, weil er am Einkauf und damit am dynamischen Tarif hängt. Deshalb steht der dynamische Tarif am Anfang. Er hebt den größten Teil des Werts zuerst.

Wer macht was

Für die Vermarktung müssen drei Rollen zusammenspielen. Das energieversorgende Unternehmen beliefert den Standort und meldet den Fahrplan. Der Vermarkter bietet freie Kapazitäten am Markt an. Der Bilanzkreisverantwortliche meldet den Bilanzkreis an den Netzbetreiber. [1]

Diese drei Rollen bedienen denselben Fahrplan. Jede Abweichung zwischen gemeldetem Fahrplan und tatsächlicher Fahrweise erzeugt Ausgleichsenergie. Sind die Rollen auf mehrere unabhängige Akteure verteilt, steigt der Abstimmungsaufwand und mit ihm das Risiko, dass Prognose und Realität auseinanderlaufen. Laufen die Rollen zusammen, lässt sich der Speicher so fahren, dass er die Bilanz stützt.

Die zwei Stufen des Speicherwerts

Der Wert eines Speichers lässt sich in zwei Stufen heben.

Stufe 1 ist die Einkaufsoptimierung für den Eigenverbrauch. Der Speicher senkt die eigene Rechnung über den günstigen Einkauf am Day-Ahead-Markt. Das ist der größte Hebel, und er ist schon hier mit Ausgleichsenergie verbunden, weil der veränderte Bezug die Prognose des Versorgers trifft. Ein Bilanzkreis-Partner, der den Speicher kennt, hält dieses Risiko klein.

Stufe 2 ist die Vermarktung ungenutzter Restkapazitäten. Was der Speicher nicht für den Eigenverbrauch braucht, kann der Vermarkter am Markt anbieten. Dabei kommt ein zweiter Markt ins Spiel: der kontinuierliche Intraday-Handel, auf dem bis kurz vor der Lieferung weitergehandelt wird. Dort zählen kurzfristige Preisänderungen und aktuelle Prognosen. Wer beim Vermarkten neben dem Day-Ahead-Markt auch den Intraday-Handel einbezieht, steigert die Erlöse um bis zu 40 Prozent.

Beim Trading sind zwei Formen zu unterscheiden, physisches und bilanzielles (siehe Beitrag „Physikalisches und virtuelles Trading"). Beim physischen Trading fließt Energie tatsächlich, der Speicher speist ein oder bezieht, um eine Marktposition zu bedienen. Das setzt einen Netzanschluss mit klar abgegrenztem Ein- und Ausspeisepunkt und die entsprechende Einspeiseerlaubnis voraus. Beim bilanziellen Trading, auch virtuelles Trading genannt, wird dieselbe Energiemenge über Day-Ahead und kontinuierlichen Intraday gekauft und wieder verkauft, ohne sie physisch zu liefern. Gehandelt wird die Preisdifferenz, nicht der Stromfluss. [2]

Für den Bilanzkreis heißt das: Beim physischen Trading fließt Energie real, sie muss zum Fahrplan passen, und Abweichungen erzeugen Ausgleichsenergie. Beim bilanziellen Trading gleichen sich Kauf und Verkauf derselben Menge im Fahrplan aus. Solange die Position geschlossen ist, fließt kein Strom und es entsteht keine Ausgleichsenergie. Relevant wird der Bilanzkreis erst, wenn eine Position offen bleibt und tatsächlich Energie fließt oder fehlt.

Für einen Speicher hinter dem Zähler ist das ein Vorteil. Beim Entladen verdrängt er nur den Strom, den der Standort ohnehin bezieht. Für den Netzbetreiber sieht das wie weniger Verbrauch aus, nicht wie Einspeisung. Solange die Entladung auf den aktuellen Standortverbrauch gedeckelt bleibt, fließt nichts ins öffentliche Netz, es braucht keine Einspeiseerlaubnis, und die Vermarktung läuft bilanziell über den Bilanzkreis des Partners.

Fazit

Zwei Dinge entscheiden, wie viel ein Speicher einbringt. Der dynamische Tarif holt den größten Teil über die Einkaufsoptimierung. Und ein Partner, der Belieferung, Bilanzkreis und Vermarktung aus einer Hand verantwortet, macht die Vermarktung darüber hinaus tragfähig und hält die Ausgleichsenergie im Griff.

Wer ein Speicherprojekt plant, sollte daher zwei Fragen früh klären: Habe ich einen dynamischen Tarif, der die Einkaufsoptimierung erlaubt? Und habe ich einen Partner, der den Bilanzkreis verantwortet und die Vermarktung übernimmt? Steht beides, ist die Reihenfolge einfach: erst den Einkauf optimieren, dann auf dieser Basis vermarkten.

In der Planung mit Furo lässt sich beides schon vor der Installation abbilden, vom passenden Tarif bis zur Frage, welche Restkapazität sich vermarkten lässt. Das Entscheidende kommt danach. Auf Wunsch bringen wir die passenden Marktteilnehmer für den Betrieb gleich mit, damit die Optimierung real umgesetzt wird und nicht in der Rechnung stehen bleibt.

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*Wie ein Speicher technisch am Markt teilnimmt, von physikalischem bis virtuellem Trading, steht im Beitrag „Physikalisches und virtuelles Trading". Der letzte Blog Post, “*Bilanzkreis und Ausgleichsenergie: Warum Speicherprojekte im Betrieb an Wirtschaftlichkeit verlieren” zeigt, warum die Wahl des Versorgers über die Wirtschaftlichkeit im Betrieb entscheidet.

[1] Interconnector (EnBW), Wissen: Bilanzkreis. https://www.interconnector.de/wissen/bilanzkreis/

[2] Interconnector (EnBW), Energieblog: Gewinnmaximierung durch virtuelle Ladezyklen mit Batteriespeichern. https://www.interconnector.de/energieblog/gewinnmaximierung-durch-virtuelle-ladezyklen-mit-batteriespeichern/

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