AgNes: Was das neue Netzentgelt ab 2029 für deinen Batteriespeicher bedeutet, und wie du es heute schon rechnest

Jonas Padberg 02.11.2026
AgNes: Lastgang einer Woche mit Bestellkapazität, Energie darüber kostet den teuren Arbeitspreis

Mit der Netzentgeltreform AgNes (Allgemeine Netzentgeltsystematik Strom) entfällt ab 2029 der Leistungspreis. Gewerbe und Industrie zahlen ihr Netzentgelt dann nicht mehr auf die höchste Lastspitze des Jahres, sondern einen Kapazitätspreis auf eine Bestellkapazität, die sie selbst festlegen. Für Multi-Use-Batteriespeicher ist das eine gute Nachricht: Der teure Puffer für die Jahresspitze fällt weg, die ganze Kapazität steht für Eigenverbrauch und Vermarktung bereit. Welche Preise und welche Bestellkapazität auf dich zukommen, zeigt dir unser kostenloser AgNes-Rechner.

Was ist die Netzentgeltreform AgNes?

Mit AgNes stellt die Bundesnetzagentur die Netzentgelte neu auf. Gelten soll AgNes ab 2029, für jeden Anschluss ab der Mittelspannung und in der Niederspannung ab 100.000 kWh im Jahr. Statt des Leistungspreises auf die Jahreshöchstlast zahlst du einen Kapazitätspreis auf die Kapazität, die du bestellst, und zwei Arbeitspreise:

Netzentgelt = KP × BK + AP1 × Energie unter BK + AP2 × Energie über BK

KP ist der Kapazitätspreis, BK die Bestellkapazität. Den Netzbezug unter der Bestellkapazität zahlst du zum günstigen Arbeitspreis AP1, den darüber zum teuren AP2. Mehr zu beziehen als bestellt ist also erlaubt, es wird nur teurer. Bestellst du nichts, leitet dein Netzbetreiber die Bestellkapazität aus deinen bisherigen Lastgängen ab. Was sich bei dir ändert, etwa durch einen neuen Speicher, kennt er dabei nicht.

Wie berechne ich die günstigste Bestellkapazität?

Ein kW mehr Bestellkapazität kostet einmal den Kapazitätspreis und spart in jeder Stunde, in der deine Last darüber liegt, den Aufschlag AP2 − AP1. Am günstigsten ist deshalb die Last, die dein Betrieb an h* Stunden im Jahr überschreitet:

h* = KP / (AP2 − AP1)

Ablesen lässt sie sich an der Jahresdauerlinie. Darin sind alle Viertelstunden des Jahres nach dem Netzbezug sortiert aufgetragen, die höchste ganz links, die niedrigste ganz rechts. An der Stelle h* liest du die günstigste Bestellkapazität ab.

AgNes: günstigste Bestellkapazität an der Jahresdauerlinie ablesen

Jahresdauerlinie eines Beispielbetriebs mit der günstigsten Bestellkapazität bei h*.

Je nach Preisen sind das einige hundert bis einige tausend Stunden im Jahr. Die Bestellkapazität liegt also meist deutlich unter der Jahreshöchstlast, und wer sicherheitshalber auf die Spitze bestellt, verschenkt Geld. Mit unserem Rechner kannst du die Bestellkapazität kostenlos berechnen, samt den Preisen, die in deinem Netz zu erwarten sind.

Beispielbetrieb in Zahlen

1.000 kW Jahreshöchstlast, Preise mit dem AgNes-Rechner aus einem heutigen Mittelspannungs-Preisblatt geschätzt.

  • Bei h* = 1.335 Stunden liegt die günstigste Bestellkapazität bei 697 kW.
  • Mit 697 kW Bestellkapazität zahlt der Betrieb 126.487 € Netzentgelt im Jahr. Bestellt er sicherheitshalber die vollen 1.000 kW, sind es 142.571 €, gut 16.000 € mehr.
  • Lädt ein Speicher am dynamischen Tarif über die Bestellkapazität hinaus, kostet das 4,64 ct/kWh Aufschlag. Die Preisspanne zwischen den drei günstigsten und den drei teuersten Stunden eines Tages war seit Januar 2026 an 93 % der Tage größer, an einem typischen Tag rund dreimal so groß.

Was bedeutet AgNes für meinen Batteriespeicher?

Heute bestimmt eine einzige Viertelstunde den Leistungspreis fürs ganze Jahr. Ein Speicher, der neben Eigenverbrauch und Vermarktung auch Lastspitzen kappt, muss deshalb ständig einen Puffer für die nächste Spitze vorhalten. Verpasst er sie trotzdem, ist die Ersparnis für das ganze Jahr verloren. Und der Puffer ist teuer, denn die Kapazität, die er bindet, verdient nichts.

Unter AgNes fällt dieses Risiko weg. Liegt der Betrieb über der Bestellkapazität, zahlt er nur für die Energie darüber den Aufschlag AP2 − AP1. Eine verpasste Spitze kostet also den Aufschlag auf ein paar Kilowattstunden statt des Leistungspreises eines Jahres. Der Speicher braucht keinen Puffer mehr und kann seine ganze Kapazität für Eigenverbrauch und Flex-Vermarktung nutzen.

Am dynamischen Tarif kann sich eine höhere Bestellkapazität lohnen. Der Speicher lädt, wenn Strom billig ist, und entlädt, wenn er teuer ist. Beim Laden bezieht der Betrieb mehr aus dem Netz und liegt dabei öfter über der Bestellkapazität. Für diese Energie zahlt er den Aufschlag AP2 − AP1. Der Preisunterschied zwischen billigen und teuren Stunden ist am Strommarkt aber meist deutlich größer als dieser Aufschlag. Das Laden lohnt sich also trotzdem. Weil der Betrieb dadurch in mehr Stunden viel Strom bezieht, kann die günstigste Bestellkapazität mit Speicher höher liegen als ohne. Warum der dynamische Tarif der erste Schritt in die Flex-Vermarktung ist, erklären wir in einem eigenen Artikel.

Dazu kommt:

  • PV-Eigenverbrauch wird wertvoller: Jede selbst verbrauchte kWh spart AP1, und der dürfte höher liegen als der heutige Netzentgelt-Arbeitspreis.
  • Flex-Vermarktung zahlt laut Entwurf keine Arbeitspreise, wenn die zwischengespeicherte Energie getrennt gemessen wird. Mehr dazu unter „Restkapazitäten vermarkten“.

Wie rechne ich AgNes in Furo?

In der Karte „Tarif & Netzentgelte“ legst du rechts oben den Schalter „AgNes“ um. Furo schlägt die drei Preise aus dem Preisblatt deines Netzbetreibers vor, ermittelt die günstigste Bestellkapazität ohne und mit Speicher und legt den Speicher passend aus. Flex-Vermarktung lässt sich dazuschalten. In den Ergebnissen siehst du die Jahresdauerlinie ohne und mit Speicher, jeweils mit ihrer Bestellkapazität.

Fazit

AgNes nimmt einem Multi-Use-Speicher das Risiko der Jahresspitze und gibt ihm seine volle Kapazität für Eigenverbrauch und Vermarktung. Wer heute einen Speicher plant, sollte ihn deshalb mit AgNes rechnen. Einen ersten Eindruck für dein Netz und deinen Lastgang gibt dir der AgNes-Rechner. Ob sich ein Speicher für deinen Betrieb rechnet, zeigt dir der Gewerbespeicher-Rechner. Die komplette Auslegung mit AgNes rechnest du in Furo: 14 Tage kostenlos testen.

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Stand: Festlegungsentwurf vom 6. August 2026, die finale Festlegung steht noch aus. Den Stand vom Januar findest du unter „Neues zur Netzentgeltreform: Orientierungspunkte der BNetzA“.

Quelle: Bundesnetzagentur, Festlegungsverfahren AgNes (GBK-25-01-1#3), Festlegungsentwurf vom 6. August 2026, Ziffern 8.4, 8.5, 10.2 und 17. Verfahrensseite

FAQs

Häufige Fragen zu AgNes

Laut Festlegungsentwurf ab dem 1. Januar 2029. Die finale Festlegung der Bundesnetzagentur steht noch aus.

Für jeden Anschluss ab der Mittelspannung und in der Niederspannung für Entnahmestellen mit mehr als 100.000 kWh im Jahr.

Das ist erlaubt. Für die Energie über der Bestellkapazität zahlst du statt AP1 den höheren Arbeitspreis AP2.

Die 2.500-Stunden-Regel entfällt mit dem Leistungspreis: Unter AgNes gibt es je Netzebene einen Kapazitätspreis und zwei Arbeitspreise, unabhängig von den Benutzungsstunden. Die atypische Netznutzung endet laut Entwurf Ende 2028. Nur Betriebe, die im Schnitt der Jahre 2024 bis 2027 mehr als 10 GWh im Jahr beziehen, bereits eine Vereinbarung haben und 2026 bis 2028 mindestens einmal einen Rabatt bekommen haben, behalten ihn bis Ende 2031. Wer heute einen Speicher für die atypische Netznutzung plant, sollte ihn deshalb schon als Multi-Use-Speicher mit AgNes rechnen.

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